Test des Niviuk Jester Parakite
Thibaut hatte die Gelegenheit, den Niviuk Jester auf dem Gelände von Saint-Hilaire-du-Touvet an einem kalten Herbsttag bei thermischen Bedingungen zu testen. Hier finden Sie seinen Bericht und seine Meinung über den neuen Parakite von Niviuk.
Ich hatte die Möglichkeit, den Parakite Niviuk Jester während einer Session in Saint-Hilaire auszuprobieren. Ich flog die Größe 18 m² in Kombination mit dem Dudek Catch Gurtzeug, bei einem Gesamtfluggewicht von 82 kg.
Die Bedingungen des Tages entsprachen milden Herbstthermiken. Mein Ziel war es, diesen „Parakite / Wing“ mit einem eher aggressiven Steuerstil zu testen, um seine Dive-Fähigkeit (Eintauchverhalten) zu beurteilen und ihn mit seinen Gegenstücken wie der Flare Moustache oder der Little Cloud Mouette zu vergleichen. Hier teile ich meine Eindrücke im Flug, meine technischen Beobachtungen und meine Schlussfolgerungen, um Ihnen zu helfen zu verstehen, wo sich der Niviuk Jester im Vergleich zu anderen Parakites auf dem Markt einordnet.
Öffnen des Niviuk Jester und gelieferte Zubehörteile
Nach Erhalt des Niviuk Jester bemerkte ich eine sorgfältige Verpackung: Der Schirm wird in einem Kompressionssack geliefert. Das Set enthält außerdem einen Kompressionsriemen, einen Tragegurt-Beutel (Riser Bag) und ein Ripstop-Reparaturset.
Beim Öffnen wirkt der Stoff sehr robust, eindeutig darauf ausgelegt, den teils rauen Bedingungen an Küstenstandorten oder bei intensivem Soaring standzuhalten. Der Jester besteht nicht aus Leichtgewebe, was seinem Einsatzzweck entspricht: regelmäßiges bis intensives Fliegen, mit Beständigkeit gegen Sand, wiederholte Reibung und häufigen Bodenkontakt (einschließlich Stabi-Landungen). Dies passt perfekt zur angekündigten Philosophie: Langlebigkeit und Zuverlässigkeit für bodennahe Flüge.
Nach dem Auslegen des Schirms ist ein kurzer Aufzieh-Test am Startplatz vor dem ersten Flug unerlässlich: Ziel ist es, zu überprüfen, ob alle Leinen korrekt montiert sind, und einen Bodentest zu nutzen, um sich mit dem Verhalten des Parakites vertraut zu machen und die Grenzen des PKS (Parakite System) zu testen, das Niviuk speziell für den Jester entwickelt hat.
Zusammengefasst: ein sehr guter erster Eindruck. Der Schirm sieht hochwertig aus, ist sauber verarbeitet, und das Auslegen sowie das Sortieren der Leinen sind nicht komplizierter als bei einem Standardschirm.
Technische Eigenschaften des Gleitschirms
Niviuk bietet den Jester in 5 verschiedenen Größen an und stellt eine Vergleichstabelle zur Verfügung, um die passende Größe entsprechend dem eigenen Niveau und der Windgeschwindigkeit auszuwählen.
Bei der Betrachtung dieser Daten wird deutlich, dass der Jester zwar für das Boden- bzw. Nahflugverhalten konzipiert ist, aber sowohl für Parakite-Einsteiger als auch für erfahrene Piloten geeignet ist, die in Bedingungen fliegen möchten, die als stark eingestuft werden können. Nun gilt es, diese Zahlen mit meinen Eindrücken im Flug zu vergleichen.
Den Angaben von Niviuk zufolge sollte ich daher die Größe 18 m² fliegen, innerhalb des empfohlenen Bereichs für Parakite-Piloten mit fortgeschrittenem Niveau. Schauen wir nun, wie sich das in der Praxis bestätigt.
Aufziehen des Schirms und Start
Die Session in Saint-Hilaire-du-Touvet fand bei sehr schwacher Hangbrise am Startplatz statt, kaum 5–10 km/h Gegenwind.
Am Boden ist das Aufziehen sehr flüssig: Dank der moderaten Streckung und der relativ kleinen Fläche (18 m² für ~85 kg) steigt der Schirm mühelos, selbst bei leichtem Wind.
Ich starte frontal zum Schirm, aber eine starke Asymmetrie beginnt, weil ein großer Knoten nicht sofort löst. Sobald der Knoten springt, ist die Korrektur über die Bremse augenblicklich, fast so, als würde ich einen Speed-Schirm neu ausrichten. Man spürt sofort, dass der Schirm sehr reaktiv auf Bremseingaben reagieren wird.
Noch überraschender – und ein besonders interessanter Moment – ist die Nutzung des Parakite System (PKS) am Ende des Bremswegs. Dank des Bremsdrucks erkennt man sofort, wo die Grenze zwischen reiner Nickverlagerung und aktivem Bremsen liegt.
Schließlich ist die Tragphase beim Startlauf äußerst effizient. Mit leicht gesenkten Händen, um den Anstellwinkel zu optimieren, hebt man bereits bei moderater Geschwindigkeit ab – selbst bei schwachem Wind.
Kein Sprinten den Hang hinunter und kein Sprung ins Leere nötig, was sehr beruhigend ist.
Aufziehen und Start des Gleitschirms
Am Startplatz Saint-Hilaire-du-Touvet habe ich mehrere Aufziehübungen unter unterschiedlichen Bedingungen durchgeführt – auf einer sanften Wiese mit kurzem Gras, zunächst bei schwachem, dann bei mäßigem Wind:
Manövrierbarkeit & Kurvenflug
Die Kurven sind sehr reaktionsfreudig, ohne jede Verzögerung zwischen dem Bremseinsatz und der Reaktion des Schirms.
Das sorgt für ein unmittelbares Fluggefühl: Ich habe sie getestet, indem ich versucht habe, Gelände und Bäume aktiv anzufliegen, also mit einem sehr aktiven Steuerstil, und ich war vom Ansprechverhalten des Schirms nicht enttäuscht.
Man spürt den Schirm sehr gut, und das Handling ist präzise und intuitiv.
Gleiten
Der Jester hat ein Handling, das wirklich voller Energie ist und dabei zugleich sehr flüssig bleibt.
Änderungen des Anstellwinkels, Richtungswechsel, Geschwindigkeitsaufbau – alles gelingt ganz natürlich, da das Gleiten des Schirms sehr angenehm ist.
Die Balance zwischen „Fun“ und „Kontrolle“ ist perfekt getroffen: Hier handelt es sich nicht um ein Spielzeug, sondern um ein wirklich gut konstruiertes und ausgereiftes Werkzeug.
Landung
Der Anflug verlief ohne Überraschungen. Wie gewohnt versuchte ich eine Landung im 3/6, wobei ich anfangs viel Sicherheitsreserve ließ, da ich den Schirm noch nicht kannte.
Ich konnte feststellen, dass man genauso gut Spaß haben kann, indem man über mehrere Dutzend Meter flared und den Schirm leicht dosiert, um bodennah zu bleiben. Gleichzeitig verhält sich der Jester auch ohne Fahrt aufzubauen sehr gut und ermöglicht eine weichere, traditionellere Landung.
Geschwindigkeit & Anstellwinkel
Dank des PKS in der „Hände oben“-Position konnte ich das Dive-Verhalten des Schirms testen und einen deutlichen Geschwindigkeitsgewinn feststellen. Im Vergleich zu anderen Parakites zeigt die Jester jedoch ein eher gemäßigtes Verhalten. Niviuk hat eindeutig den Anspruch verfolgt, seinen Parakite zugänglich zu machen, und die Jester erfüllt diesen Punkt des Lastenhefts perfekt.
In der „Hände unten“- oder neutralen Position verlangsamt der Schirm, und der Gleitflug ist ausgezeichnet, was es zum Beispiel in Saint-Hilaire ermöglicht, sehr bodennah mit dem Relief zu spielen, bevor man den Übergang zur Landung einleitet.
Für wen, und welche Empfehlungen?
Nach diesem Test hier meine Empfehlungen:
• Zielpilot: Für mittelstufe bis erfahrene Gleitschirmpiloten im Ground-Soaring oder Geländenähe, die Spaß haben, mit der Hangneigung spielen oder im Soaring fliegen möchten.
• Ideale Bedingungen: Der Vorteil der Jester ist, dass sie nahezu in allen Bedingungen Spaß macht. Sie müssen lediglich die Größe an Ihr Niveau und die Bedingungen anpassen – und bei Bedarf spezifische Setups wählen (sehr starker oder sehr schwacher Wind).
• Empfohlene Größe: Der von Niviuk bereitgestellte Größenleitfaden ist stimmig und gut aufgebaut. Folgen Sie einfach den Empfehlungen.
• Zugänglichkeit: Auch wenn der Schirm zugänglich wirkt, verlangt er aktives Fliegen. Wenn Sie von einem klassischen Gleitschirm kommen, sollten Sie eine Eingewöhnungszeit einplanen.
• Landung: Planen Sie ein freies Feld oder ausreichend Platz ein, denn das Gleitverhältnis und die Geschwindigkeit, die Sie vor der Landung aufbauen können, führen oft zu längeren Landungen als bei einem klassischen Gleitschirm. Dies unbedingt vorher bedenken!
Schlussfolgerung
Abschließend zu diesem Test würde ich sagen, dass Niviuk es geschafft hat, einen Parakite zu entwickeln, der sich klar von der extremen Ausrichtung anderer Marken abhebt. Mit seinem beruhigenden Verhalten, aber spielerischem Charakter hat die Jester alles, um sowohl bei Gelegenheitspiloten als auch bei regelmäßigen Soaring-Piloten zu einem Favoriten zu werden.
Ein kleiner Hinweis jedoch: Dieses Schirmmodell ist nicht „entspannt“. Es verlangt Engagement, Aufmerksamkeit und eine angepasste Steuerung. Wenn Sie lieber mit dem Wind spielen statt einfach nur dahinzusegeln, verdient die Jester definitiv Ihr Interesse. Aber ich wiederhole: Sie bleibt zugänglich als Parakite, jedoch nicht als klassischer Gleitschirm. Nehmen Sie sich daher die Zeit, Ihr Niveau richtig einzuschätzen und sich mit dem spezifischen Verhalten dieses Schirmtyps vertraut zu machen.
Ich hoffe, dieser Erfahrungsbericht hat Ihnen gefallen. Zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren, wenn Sie weitere Fragen haben!
Thibaut 😉








